Windforschung: DLR modernisiert einzigartigen Windkanal für 2,8 Mio. Euro
Göttingen - Windkanäle haben eine hohe Bedeutung bei der Vermessung von Flugzeugen, Zügen oder großen Bauwerken wie Windenergieanlagen. Dabei werden zumeist verkleinerte Modelle verwendet, damit sie in die Forschungsanlagen passen.
Ein Problem besteht jedoch darin, dass sich die Luftströmung bei kleinen Modellen vom Grundsatz her anders verhält als bei den Objekten in ihrer tatsächlichen Größe. Vor diesem Hintergrund stellt der Hochdruckwindkanal Göttingen (HDG) des DLR eine Besonderheit dar: In dem 1978 errichteten Windkanal für miniaturisierte Modelle können nämlich realistische Strömungsbedingungen hergestellt werden, wie sie in der Natur an großen Bauwerken wie Brücken und Windenergieanlagen oder Eisenbahnzügen vorherrschen. Insgesamt 2,83 Mio. Euro sollen am Standort Göttingen in die Modernisierung des Windkanals investiert werden.
„Im Hochdruckwindkanal Göttingen komprimieren wir die Luft auf 100 bar, das entspricht dem Druck des Wassers in 1.000 Meter Meerestiefe“, so Dr. Holger Mai vom DLR-Institut für Aeroelastik. So können platzsparend auch an kleinen Modellen, wie beispielsweise einem Eisenbahn-Modell im Maßstab 1:87, die gleichen Strömungsphänomene untersucht werden, wie sie an einem echten, lebensgroßen Zug auftreten. Um dem enormen Druck standzuhalten, bestehen die Wände des Windkanals aus über zehn Zentimeter dickem Stahl.
„Nur wenige Windkanäle arbeiten mit einem so hohen Druck, aber einzigartig ist, dass unser Göttinger Windkanal neben der Größe zusätzlich eine eigene Druckschleuse hat“, so Mai weiter. Dies bringt große Vorteile mit sich. Denn um den gewaltigen Druck aufzubauen, dauert es einen ganzen Tag, ebenso wie das Ablassen des Drucks. Jede Veränderung am untersuchten Modell würde zwei Tage kosten. Beim DLR Forschungskanal ist das anders, da einfach nur der Druck in der Schleuse mit dem Modell verändert werden kann, was nach Angaben von Mai nur wenige Minuten benötigt.
Erneuert werden bei dem 1978 gebauten Windkanal der Motor und die Messwarte. Außerdem erhält die Halle einen Laserschutz, so dass künftig auch optische Messtechniken eingesetzt werden können. Die Forscher versprechen sich damit neue Arten von Versuchen und neue Erkenntnisse über Windkraftanlagen und Züge der Zukunft.
© IWR, 2026
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