Gefahr aus dem Netz: Solarverband warnt vor chinesischen Wechselrichtern in Europas PV-Systemen
Brüssel – Während der Ausbau der Photovoltaik (PV) zentrale Bedeutung für die Dekarbonisierung und Versorgungssicherheit gewinnt, rückt eine bislang wenig beachtete Schwachstelle zunehmend in den Fokus.
Mit Blick auf einen wachsenden Marktanteil chinesischer Wechselrichter warnt der europäische Solarherstellerverband ESMC vor dem Risiko für die europäische Stromversorgung durch den softwarebasierten Fernzugriff auf Wechselrichter.
Nach Angaben des ESMC sind derzeit über 200 GW PV-Kapazität in Europa mit chinesischen Wechselrichtern vernetzt. „Das bedeutet, dass Europa de facto die Fernkontrolle über einen erheblichen Teil seiner Strominfrastruktur aus der Hand gegeben hat“, warnt ESMC-Generalsekretär Christoph Podewils. Besonders problematisch: Die Internetverbindung der Geräte ermöglicht Herstellern Softwarezugriffe – und damit auch potenzielle Manipulationen oder gezielte Störungen.
Ein aktueller DNV-Bericht, erstellt im Auftrag von Solar-Power Europe, bestätigt diese Sorge und warnt vor der realen Gefahr für die Sicherheit der Stromversorgung durch böswillige oder koordinierte Manipulationen.
Bereits heute stammen 70 Prozent der neuen Wechselrichter in Europa von chinesischen Unternehmen wie Huawei und Sungrow. Allein diese beiden Anbieter kontrollieren per Fernzugriff 168 GW Leistung – mit weiter steigender Tendenz.
Der ESMC fordert daher die sofortige Entwicklung eines EU-weiten „Wechselrichter-Sicherheits-Werkzeugs“, angelehnt an die 5G-Sicherheitsstrategie. Kernforderungen sind die Risikobewertung von Herstellern sowie das Verbot eines Online-Zugangs zu europäischen Stromnetzen für Hochrisikoanbieter sowie die Prüfung von vollständigen Verboten für den Netzanschluss solcher Hersteller. Zudem, so der Verband, sollte die proaktive Gesetzgebung Litauens - das Verbot von Wechselrichtern aus China - auf alle EU-Mitgliedstaaten übertragen werden, um sicherzustellen, dass die Sicherheitsmaßnahmen für PV-Anlagen jeder Größe gelten.
„Europa muss jetzt handeln, um eine künftige Energiekrise zu verhindern, die mit der Abhängigkeit von Gas aus Russland vergleichbar wäre. Wir unterstützen die bevorstehende Bewertung der Cybersicherheitsrisiken in der solaren Wertschöpfungskette durch die Europäische Kommission und sind bereit, unsere Expertise einzubringen“, so Podewils weiter.
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