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NeuConnect im Plan: Erste Stromverbindung mit 1,4 GW Leistung zwischen Deutschland und Großbritannien erreicht Bauhalbzeit

© NeuConnect / Prysmian© NeuConnect / Prysmian

London – Beim Bau der ersten direkten Stromverbindung zwischen Deutschland und Großbritannien ist die Hälfte des rund 700 Kilometer langen Unterseekabels verlegt. Die insgesamt 725 Kilometer lange Hochspannungs-Gleichstromverbindung (HGÜ) soll 2028 in Betrieb gehen und künftig bis zu 1,4 GW Strom in beide Richtungen übertragen.

Der Ausbau grenzüberschreitender Stromverbindungen gewinnt in Europa zunehmend an Bedeutung. Leistungsfähige Interkonnektoren gleichen regionale Schwankungen bei Stromerzeugung und -verbrauch aus, stärken die Versorgungssicherheit und fördern den europäischen Stromhandel. Mit einer Übertragungsleistung von 1,4 GW zählt NeuConnect zu den strategisch wichtigsten Netzausbauprojekten zwischen Kontinentaleuropa und Großbritannien.

NeuConnect-Stromleitung: Halbzeit bei der Verlegung des Unterseekabels

Seit Beginn der Kabelverlegung Ende 2024 hat Hauptauftragnehmer Prysmian mehr als 350 Kilometer Unterseekabel installiert. Das Spezialschiff Leonardo da Vinci hat die Arbeiten in den britischen Hoheitsgewässern inzwischen abgeschlossen; die Verlegung wird nun vor der niederländischen Küste in Richtung Deutschland fortgesetzt.

Die NeuConnect-Trasse umfasst insgesamt rund 725 Kilometer Land- und Seekabel, darunter etwa 700 Kilometer Unterseekabel durch britische, niederländische und deutsche Gewässer. Nach der Inbetriebnahme soll die Leitung eine Übertragungsleistung von 1,4 GW bereitstellen. Das entspricht nach Angaben der Projektgesellschaft rechnerisch dem Strombedarf von bis zu 1,5 Millionen Haushalten.

NeuConnect wird von einem internationalen Investorenkonsortium aus Meridiam, Allianz, Kansai Electric Power und Tepco getragen. Das Investitionsvolumen beträgt rund 2,8 Mrd. Euro. Der Bau an Land begann im Juli 2023 in Großbritannien und im Mai 2024 in Deutschland.

Konverterstationen in Deutschland und Großbritannien erreichen nächsten Bauabschnitt

Parallel zur Kabelverlegung schreitet auch der Bau der beiden Konverterstationen in Wilhelmshaven und auf der britischen Isle of Grain voran. Siemens Energy errichtet dort die Anlagen, die den über das HGÜ-Kabel übertragenen Gleichstrom in Wechselstrom für die nationalen Stromnetze umwandeln.

Die rund 24 Meter hohen und 70 Meter breiten Konverterhallen haben inzwischen ihre endgültigen Abmessungen erreicht. Bereits im Frühjahr wurden alle 14 Transformatoren – jeweils sieben pro Standort – angeliefert.

Neben den Bauarbeiten laufen bereits die Vorbereitungen für den späteren Betrieb. Dazu zählen der Aufbau der IT-Systeme ebenso wie die Marktintegration. NeuConnect wurde 2025 von der britischen Regulierungsbehörde Ofgem als Übertragungsnetzbetreiber zertifiziert. Für die Vergabe der grenzüberschreitenden Übertragungskapazitäten wurde das Joint Allocation Office (JAO) beauftragt; die Marktintegrationsplattform entwickelt das Unternehmen Supercharge.

Stromhandel in Europa: Interkonnektoren als Baustein der europäischen Energiewende

Grenzüberschreitende Stromverbindungen gewinnen mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien weiter an Bedeutung. Sie erleichtern den Ausgleich regionaler Unterschiede bei Wind- und Solarstrom, verbessern die Versorgungssicherheit und stärken die Integration der europäischen Strommärkte.

Die Europäische Union verfolgt das Ziel, dass die grenzüberschreitenden Übertragungskapazitäten ihrer Mitgliedstaaten bis 2030 mindestens 15 Prozent der jeweils installierten Stromerzeugungsleistung erreichen. Großbritannien gehört seit dem Brexit zwar nicht mehr zu diesem EU-Ziel, NeuConnect unterstützt jedoch denselben energiepolitischen Ansatz und schafft erstmals eine direkte Stromverbindung zwischen Deutschland und dem britischen Strommarkt.

Der britische Botschafter in Deutschland, Andrew Mitchell, hob anlässlich des ersten Jahrestags des deutsch-britischen Kensington-Vertrags die strategische Bedeutung des Projekts hervor. „Als erste direkte Energieverbindung zwischen Deutschland und Großbritannien wird NeuConnect die Versorgungssicherheit stärken, unsere wirtschaftliche Partnerschaft vertiefen und unsere gemeinsamen Klimaziele unterstützen.“

Mit der geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2028 erhält Deutschland erstmals einen direkten Zugang zum britischen Strommarkt. Die Verbindung ergänzt die bestehenden Interkonnektoren Deutschlands zu den Strommärkten seiner europäischen Nachbarstaaten und schafft zusätzliche Möglichkeiten für den grenzüberschreitenden Austausch erneuerbarer Energien.

© IWR, 2026


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23.07.2026

 



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