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Altmaier stellt Aktionsplan Stromnetz vor

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Berlin - Im Rahmen seiner Netzausbaureise hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier seinen Aktionsplan Stromnetz in Bonn vorgestellt.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Öffnung der grenzüberschreitenden Leitungen für Strom im europäischen Binnenmarkt erfordern einen Ausbau der nationalen und überregionalen Übertragungsnetze. Bundeswirtschaftsminister Altmaier schlägt eine kurzfristig wirkende Doppelstrategie aus Optimierung und Beschleunigung vor.

Optimierung der Bestands-Stromnetze

In einem ersten Schritt kommt es entscheidend darauf an, bereits in den nächsten Jahren die bestehenden Stromnetze zu optimieren und die vorhandenen Kapazitätsreserven zu heben, so Altmaier. Da die neuen Nord-Süd-Trassen frühestensim Jahr 2025 fertiggestellt werden und auch die anderen Netzausbau-Vorhaben im Übertragungsnetz hinterherhinken, werden schon vor 2025 deutlich leistungsfähigere Netze benötigt. Im Kern sollen technische Optimierungen vorgenommen werden, u.a. konsequentes Monitoring der Freileitungen in Echtzeit, neue Leiterseile, intelligente Steuerung der Leistungsflüsse oder regelbare Ortsnetztransformatoren. Auch neue Technologien und Innovationen wie eine stärkere Digitalisierung und Automatisierung der Stromnetze, neue automatisierte Betriebskonzepte oder die Steuerung des Stromflusses mit Hilfe der Leistungselektronik sollen erprobt und eingesetzt werden. Letztendlich soll das Engpassmanagement optimiert und die vorhandenen Potenziale zur Kostensenkung gehoben werden.

Netzausbau beschleunigen

Eine optimierte Betriebsführung und höhere Auslastung der Stromnetze wird helfen, den Netzausbaubedarf so gering wie möglich zu halten. Aber auch in Zukunft bleiben die bereits geplanten Netzausbauvorhaben unverzichtbar, so Altmaier. Der Ausbau der Stromnetze spart Kosten. So wurden beispielsweise mit dem Bau der Thüringer Strombrücke seit 2016 hunderte Millionen Euro Kosten für das Engpassmanagement erspart. Insgesamt liegt der Ausbau der Stromnetze gleichwohl noch immer weit hinter den Planungen zurück.

Um den Ausbau zu beschleunigen sind drei Maßnahmen vorgesehen. Im Rahmen des vorausschauenden Controllings für jedes Netzvorhaben soll das Monitoring weiterentwickelt und optimiert werden. Gesetzliche Maßnahmen sollen dafür sorgen, dass bspw. kleinere Maßnahmen wie die Umbeseilung im schnelleren Anzeigeverfahren und nicht im Genehmigungsverfahren ermöglicht werden können. Die Planungsverfahren auf bestehenden Trassen sollen verschlankt werden und das Vorschlagsrecht der Bundesländer für zeitraubende Alternativplanungen beschränkt werden. Auch ein vorzeitiger Baubeginn soll ermöglicht werden.

Optimierung des ökonomischen Anreizsystems für schnelleren Netzausbau

Altmaier kritisiert aber auch das bisherige Anreizsystem. Bisher setzen die Anreizregulierung und insgesamt der rechtliche Rahmen nach Ansicht von Altmaier noch nicht die notwendigen wirtschaftlichen Anreize für eine Optimierung der Netze und einen zügigen Netzausbau. So ist bisher die Rendite eines Bauprojekts nicht davon abhängig, ob die Stromleitung wie ursprünglich geplant oder erst später bzw. gar früher in Betrieb genommen wird. Auch eine Optimierung bzw. höhere Auslastung der Netze habe bisher keinen Einfluss auf die Rendite. Es gibt somit bisher keinen ökonomischen Anreiz, die Kosten für Engpässe zu reduzieren, heißt es in dem Aktionsplan.

© IWR, 2018


14.08.2018