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Stimmen zur Wasserstoff-Strategie in Deutschland

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Berlin – Das Bundeskabinett hat die Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) beschlossen. Im Fokus steht die Dekarbonisierung wichtiger deutscher Kernbranchen wie der Stahl- und der Chemieindustrie. Dabei greift die Wasserstoff-Technologie in faste alle politischen Bereiche ein.

Der Wasserstoff soll in Zukunft eine zentrale Rolle bei der Weiterentwicklung und Vollendung der Energiewende erhalten. Die Bundesregierung will nun mit der NWS einen kohärenten Handlungsrahmen für die künftige Erzeugung, den Transport, die Nutzung und Weiterverwendung von Wasserstoff und damit für entsprechende Innovationen und Investitionen schaffen.

Bundesregierung: Wasserstoff ist überall wichtig und ein Zukunftsprojekt

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hebt den Führungsanspruch hervor, „dass Deutschland bei Wasserstofftechnologien die Nummer 1 in der Welt wird“. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will Deutschland mit der NWS einen doppelten Schub verleihen: eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft nach der Corona-Krise und Klimaschutz in Bereichen wie Stahlindustrie und Flugverkehr, wo es bisher noch keine Lösungen gab. Wer aber ja sage zu „grünem Wasserstoff“, der müsse auch Ja sagen zur Windenergie und für einen konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) setzt auf Wasserstoff im Verkehrsbereich. Jetzt brauche es wirtschaftliche Projekte auf dem Markt. Die regionalen HyLand-Projekte, mit denen in einzelnen Regionen die Wasserstofftechnologie von der Erzeugung bis zur Nutzung vor Ort aufgebaut werde, müssten nun bundesweit umgesetzt werden. Zusätzlich will Scheuer eine eigene Brennstoffzellproduktion in Deutschland unterstützen und aufbauen.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) will die Förderung von Forschung und Innovation zum Grünen Wasserstoff weiter intensivieren. Bis 2023 stellt das Ministerium dafür zusätzlich 310 Mio. Euro zur Verfügung, „damit Deutschland um den Weltmeistertitel beim grünen Wasserstoff erfolgreich mitspielen kann.“ Für den Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller (CSU), ist der Klimawandel längst die Überlebensfrage der gesamten Menschheit. Mit der Wasserstoffstrategie werde ein Quantensprung hin zu CO2-neutralen Kraftstoffen und zur globalen Energiewende gemacht. „Grüner“ Wasserstoff und seine Folgeprodukte wie Methanol können das saubere Öl von morgen werden. Gemeinsam mit Marokko soll die erste industrielle Produktionsanlage für „grünen Wasserstoff“ in Afrika entstehen.

Opposition: Strategie kommt zu spät und ist zu unkonkret

Für die Grünen ist die vorgelegte Wasserstoffstrategie überfällig. Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter (Grüne) plädiert für eine schnelle Umsetzung der zahlreichen Prüfaufträge. Zudem sei die Voraussetzung eine Wasserstoff-Ausbauoffensive mehr Erneuerbare Energien, denn nur grüner Wasserstoff sei klimafreundlich. Außerdem müsse klar sein, dass die Wasserstoffproduktion nicht zum Einfallstor für Kohlestrom wird. Grüner Wasserstoff sei daher nur dort sinnvoll, wo überschüssiger Strom aus Erneuerbaren Energien anfällt und es keine Nutzungskonkurrenzen gibt.

Auch den Freien Demokraten ist vieles noch nicht konkret genug. FDP-Präsidiumsmitglied Michael Theurer bemängelt ebenfalls die vielen Prüfaufträge, dabei müsse es jetzt „schnellstmöglich an die gesetzliche Umsetzung gehen.“ Länder wie Japan, Österreich und die Niederlande hätten bereits eigene Wasserstoffstrategien vorgelegt, die Bundesregierung habe das Thema „sträflich vernachlässigt.“ Theurer plädiert für eine europäisch abgestimmte Importstrategie und fordert eine „Europäische Wasserstoffunion.“

Verbände erwarten Marktkonzepte und Nachbesserungen im Wärmesektor

Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) begrüßt die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung. Der Verband kritisiert, dass die Maßnahmen eher auf einzelne Technologie- und Projektentwicklungen abzielten und die Entwicklung eines Marktes (Markthochlauf) für „grünen Wasserstoff“ vernachlässigt werde. Stattdessen werde Strom- und Gasnetzbetreibern der Betrieb von Elektrolyseuren in Modellprojekten ermöglicht, das sei kritisch zu sehen.

Für den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) zeigt sich in der Strategie der Bundesregierung, dass leitungsgebundene, gasförmige Energieträger ein zentraler Baustein der Energiewende und wichtig für das Erreichen der Klimaschutzziele sind. Gerade mit Blick auf den Wärmemarkt werden aber Potenziale verschenkt, kritisiert der BDEW. Der BDEW wird in Kürze eine Roadmap Gas veröffentlichen, in der die Vorstellungen der Energiewirtschaft für eine Wasserstoffwirtschaft dargelegt werden. Auch auf europäischer Ebene müsse das Thema Wasserstoff weiter vorangetrieben werden, so der BDEW.

© IWR, 2020


12.06.2020

 



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