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DIW: Kostenverträglicher Kohleausstieg ist möglich

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Berlin - Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hat sich an einer Vergleichsstudie zu sechs Ländern und ihrem möglichen Weg aus der Kohle beteiligt. Für die Klimaverpflichtungen und Luftreinhaltung ist der Kohleverzicht in allen Ländern nicht nur wünschenswert, sondern auch kostenverträglich möglich, so ein wichtiges Ergebnis.

Neben Deutschland wurden in dem Projekt „Coal Transitions – Research and Dialogue on the Future of Coal“ mögliche Ausstiegsszenarien für Polen, Südafrika, Australien, Indien und China untersucht. Für einen kosteneffizienten Kohleausstieg kommt dem Ausbau erneuerbarer Energien eine zentrale Rolle zu.

Kohlewende dient nicht nur dem globalen Klimaschutz

Die Studie zeigt, dass sich nicht nur in Deutschland aufgrund von Klimaschutz-Verpflichtungen, Luftqualität und Gesundheitsaspekten zunehmend die Frage nach der Zukunft der Kohle stellt. In allen Ländern spielt für einen kosteneffizienten Ausstieg aus der Kohle bis 2050 ein steigender Anteil an erneuerbaren Energien, vor allem an Wind- und Sonnenenergie, bei der Substitution von Kohle die Hauptrolle. Dabei sei es mit Blick auf möglichst geringe Transformationskosten der Energiesysteme wichtig, dass die Politik in allen betroffenen Ländern die Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien verbessert und bestehende Hürden beseitigt, so Mitautor Jörn Richstein vom DIW Berlin.

Langfriststrategien und frühe Gestaltung des Wandels Basis für Kohleausstieg

Hinsichtlich der Auswirkungen eines Kohleausstiegs auf die Beschäftigung zeigt die Analyse, dass es bereits zahlreiche Ideen und Ansätze gibt, wie der Wandel sozialverträglich und zukunftsorientiert gestaltet werden kann. Dabei gelte es aus negativen und positiven Erfahrungen für zukünftige Transformationsprozesse zu lernen: So seien Weiterbildungsmaßnahmen für Beschäftigte oder die Schaffung von Sonderwirtschaftszonen für die Ansiedlung von Unternehmen seien selten erfolgreich. Vergleichsweise erfolgreich waren in der Vergangenheit dagegen die Ansiedlung öffentlicher Einrichtungen (u.a. Hochschulen), On-the-job Weiterbildung sowie eine Ausrichtung der Bildungsinstitutionen an zukünftigen Bildungsbedürfnissen. Für den Erfolg der Maßnahmen komme es auf die Einbettung in eine langfristige Strategie und eine möglichst frühe und aktive Gestaltung des Wandels inklusive Einbindung aller Beteiligten in die Prozesse an, so das DIW.

Speziell vom DIW wurde die Frage des Wertverlusts von Vermögenswerten an Produktionsanlagen („stranded assets“), die vor allem Rohstoff- und Energieunternehmen betrifft und gesamtwirtschaftlich von großer Bedeutung sein kann, modelliert. Die Empfehlung des DIW lautet hier, Anreize für neue Investitionen in Kohle so früh wie möglich abzubauen, um zu vermeiden, dass Vermögen vernichtet wird.

„Insgesamt zeigt der Blick über die Grenzen Deutschlands, dass vielen Ländern ähnliche Herausforderungen bevorstehen und dass viele Ansätze, Optionen und Ideen existieren, den Kohleausstieg ökonomisch nachhaltig und sozial verträglich zu gestalten“, fasst der Energieökonom Pao-Yu Oei vom DIW Berlin, einer der Autoren der Studie, zusammen.


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07.09.2018