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Niedersachsen bezieht Phantom-Ökostrom aus dem Ausland

Hannover – Niedersachsen will ab 2017 alle landeseigenen Gebäude zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgen. Das sehen die neuen Lieferverträge vor. Die öffentlichkeitswirksame Aktion ist aber nur auf den ersten Blick ökologisch und auch nicht richtungsweisend.

Niedersachsen stellt zum 1. Januar 2017 die Stromversorgung für die mehr als 5.000 landeseigenen Gebäude vollständig auf Ökostrom um. Gleichzeitig will das Bundesland die Treibhausgasemissionen der Landesverwaltung deutlich senken und zusätzlich auch noch Kosten einsparen.

Ziel: Landesverwaltung Niedersachsen soll mehr Ökostrom erhalten

Mit den neuen Strom-Lieferverträgen soll sichergestellt werden, dass der Strom nachweislich aus erneuerbaren Energien stammt, teilte das niedersächsische Finanzministerium mit. Mit Ökostrom versorgt werden landeseigene Gebäude wie beispielsweise Verwaltungsgebäude, Finanzämter, Gerichte, Justizvollzugsanstalten, Polizeistationen, Universitäten, Forschungsinstitute aber auch Internatsschulen, Museen und Theater.

Die Verträge laufen über drei Jahre. Insgesamt wurden 377 Mio. Kilowattstunden (kWh) Ökostrom europaweit ausgeschrieben. Die größte Strommenge liefern ab 2017 die Energievertrieb Deutschland GmbH, es folgen die Stadtwerke Osnabrück und der Energiekonzern Eon. Die Stromkosten des Landes belaufen sich auf jährlich 66 Mio. Euro. Wegen der gesunkenen Börsenstrompreise spart das Land nach Angaben des Finanzministeriums im kommenden Jahr gegenüber 2016 rd. 12,5 Mio. Euro.

Niedersachsen will den Ausbau erneuerbarer Energien und die Senkung der Treibhausgase vorantreiben

Durch den Bezug von Ökostrom will Niedersachsen die Treibhausgasemissionen der Landesverwaltung deutlich senken und den Ausbau der erneuerbaren Energien fördern. „Wir wollen den Umbau der Energieversorgung auf 100 Prozent erneuerbare Energiequellen bis zum Jahr 2050. Der Anteil von Strom aus Wind, Sonne und Biomasse liegt in Niedersachsen schon jetzt deutlich höher als im Bundesschnitt - damit sind wir Vorreiter in Sachen Ökostrom und Klimaschutz“, so Umweltminister Stefan Wenzel.

Phantom-Ökostrom aus Norwegen für Niedersachsen

Der Ökostrom für die Landesverwaltung wird allerdings gar nicht im eigenen Land erzeugt. Stattdessen werden nur die ökologischen Eigenschaften des Stroms für die Landeseinrichtungen über Öko-Herkunftsnachweise überwiegend aus Norwegen gewährleistet, wie das niedersächsische Finanzministerium auf Anfrage von IWR Online mitteilt. Die Ökostrom-Belieferung geht dann so: Gekauft wird Strom aus ganz normalen konventionellen Kraftwerken in Deutschland oder via Strombörse. Dann werden Wasserkraft-Ökostromzertifikate aus Norwegen zugekauft, die nur den Ökostrom-Nutzen der Wasserkraft bescheinigen. So wird konventioneller deutscher Kraftwerksstrom (Kohle, Gas, etc.) in Ökostrom aus Wasserkraft transformiert, während Norwegen im Tausch Wasserkraft-Strom mit "schmutzigem" Ökonutzen erhält. Eine physikalische Stromlieferung erfolgt nicht.

Treibhausgase: Senkung in Niedersachen führt zur Erhöhung in Norwegen

Mit dem Bezug von Ökostrom überwiegend aus Norwegen will die Landesregierung Niedersachsen auch die Treibhausgase im eigenen Land senken. Betrachtet man die Treibhausgas-Gesamtbilanz der beiden Länder, dann ergibt sich eher ein Nullsummenspiel. Wenn das Land Niedersachsen den Ökostrom-Nutzen und die damit verbundene Minderung von Treibhausgasen aus norwegischer Wasserkraft für sich reklamiert, dann erhält Norwegen im Tausch - trotz Wasserkraftstrom - die schmutzige Ökobelastung in gleicher Höhe. Der zusätzliche Nutzen für die Umwelt ist durch das bilanzielle Tauschgeschäft gleich Null.

© IWR, 2016

29.12.2016